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Regentage

 

Überfahrt von Griechenland nach Spanien – 1.300 Seemeilen, viele Abenteuer und ein bisschen Geduld

Unser Plan: In den nächsten vier Wochen wollen wir vom Peloponnes in Griechenland die rund 1.300 Seemeilen (2400 km) bis nach Almerimar in Spanien zurücklegen. Die Stopps legen wir ganz nach Wind und Wetter ein – schließlich bestimmt auf einer solchen Reise nicht der Kalender den Kurs, sondern die Wetterprognose. Nach drei Tagen Wartezeit öffnet sich endlich das erste passende Windfenster. Unser Ziel: Sizilien. Drei Tage und zwei Nächte sind wir unterwegs. Eine eher ereignislose, dafür umso erfolgreichere und angenehme Überfahrt – fast ausschließlich unter Segel (Video)
Der nachfolgende Link zeigt unseren ersten Videoblog von der Überfahrt nach Sizilien.
In Sizilien angekommen, ankern wir in der windgeschützten Bucht vor Syrakus. Die Bucht von Syrakus ist gegen fast alle Windrichungen gutgeschützt und hat extrem viel Platz bei 6-8 m auf Sand.


Zum Baden lädt das Wasser hier allerdings nicht wirklich ein und auch die Hitzewelle macht sich deutlich bemerkbar. Deshalb fällt unsere Stadtbesichtigung eher kurz aus. Wir nutzen die Gelegenheit, unsere Lebensmittelvorräte aufzufüllen (es gibt einen Lidl in Strandnähe) und beschließen, gleich weiterzufahren. Im Hafen von Syracus sieht man auch wieder die Gegensätze:  Luxusyacht neben Migranten Rettungsschiff. Unsere nächsten Übernachtungsstopps sind Portopalo und Licata. 


Die Langzeitprognose verspricht ein gutes Wetterfenster für die Weiterfahrt nach Sardinien. Doch vorher müssen wir noch die Südküste Siziliens entlang – und genau dort kommt der Wind traditionell aus Westen, also direkt aus unserer Zielrichtung. Mit Gegenwind geht es deshalb von Stadt zu Stadt weiter. Einmal geraten wir in ausgesprochen unangenehme Segelbedingungen: sehr starker Wind und hohe Wellen – natürlich beides direkt von vorne. Währenddessen wird ein Mayday-Ruf abgesetzt. Ein Segelboot in unserer Sichtweite ist in Schwierigkeiten und manövrierunfähig. Leider können wir aufgrund der Bedingungen nicht helfen. Nach langem Hin und Her gelingt es der Crew schließlich mit Unterstützung der Küstenwache, den Hafen von Sciacca zu erreichen. Dort treffen wir uns später zum gemeinsamen Abendessen und tauschen unsere Abenteuer aus. So wird aus einer schwierigen Situation doch noch ein schöner Abend.


Von den Städten im Süden Siziliens sind wir ehrlich gesagt nicht ganz so beeindruckt. Eine kurze Besichtigung von Mazara und Marsala bringt aber etwas Abwechslung in unser Seglerleben. In Marsala packen wir außerdem noch einmal unsere Fahrräder aus und erkunden die Lagune mit ihren zahlreichen Windmühlen und den traditionellen Salzgewinnungsanlagen.


Nach einem halben Tag Aufkreuzen erreichen wir Favignana, eine Insel im Westen Siziliens. Hier lassen wir den Anker in einer Bucht fallen, die wir bereits aus dem vergangenen Jahr kennen. Ein wunderschönes Plätzchen, um auf die passende Wetterlage für die Weiterfahrt zu warten. Favignana begeistert uns mit seinen alten Tuffsteinbrüchen, der beeindruckenden Landschaft, den traumhaften Buchten und der ehemaligen Thunfischfabrik. Bei einer Besichtigung kann man tief in die damalige Zeit eintauchen, als hier noch die berühmte „Mattanza“ stattfand. Auch die Entwicklung der Dosenkonservierung wurde hier entscheidend vorangetrieben. Mittlerweile freuen wir uns schon riesig auf unseren Besuch zu Hause und können es kaum erwarten, Familie und Freunde wiederzusehen. Nach einer Woche ist es endlich so weit: Der Wind steht richtig.


Wir richten alles nach der Wetterprognose aus und beschließen, den direkten Weg nach Spanien zu nehmen – ohne Zwischenstopp. Die ersten drei Tage sind fantastisch. Teilweise werden wir von Wind und Wellen regelrecht angeschoben und erreichen im Durchschnitt rund 7 Knoten. Unsere maximale Geschwindigkeit liegt sogar bei unglaublichen 15 Knoten! Die zweite Hälfte der Überfahrt erweist sich dann allerdings als deutlich anspruchsvoller. Der Wind lässt nach beziehungsweise dreht ungünstig, und wir müssen leider immer wieder den Motor zu Hilfe nehmen.


Wie läuft eine Überfahrt bei uns eigentlich ab?
Wir wechseln uns im Drei-Stunden-Rhythmus mit den Wachen ab. Bei anspruchsvolleren Manövern, zum Beispiel beim Wechseln der Vorsegel, helfen wir natürlich zusammen. Gegessen wird je nach Hunger und Wellenhöhe – mal mehr, mal weniger. Vorzüglich ist es aber in jedem Fall. Auch die Fische zeigen sich während dieser Überfahrt eher von ihrer frechen Seite. An der Angel hängen leider nur die ganz großen Exemplare – groß genug jedenfalls, um uns unsere Köder abzubeißen. Dafür sehen wir einige Delfine und Schildkröten. Besonders spannend sind allerdings die zahlreichen Grillen, die uns mitten auf dem offenen Meer – rund 80 Kilometer von jedem Land entfernt – an Bord besuchen. Sie geben uns sogar ein kleines Konzert und zirpen munter vor sich hin. In der 4. und 5. Nacht, südlich der Balearen, hören wir jeweils Mayday Rufe von in Seenot geratenen Migrantenbooten. Wir sind aber zu weit entfernt um unterstützen zu müssen. Ein kurzer Stopp im Nationalpark Cabo de Gata und ein Sprung ins glasklare Wasser runden die letzten sechs Tage ab. Danach machen wir uns auf die letzten 35 Seemeilen. Und dann ist es geschafft: Wir haben unser Ziel, die Marina von Almerimar erreicht! Jetzt freuen wir uns aber erst einmal auf unsere Familie und Freunde zu Hause!